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Dank- und Abschiedsfest am 04.09.2016 in Brannenburg


Dank und Abschied lagen im Haus St. Johann in Brannenburg ganz nah beieinander.

 

Anlässlich des Verkaufs des Hauses St. Johann und der bevorstehenden Schließung lud der Vorstand des Sudetendeutschen Priesterwerkes e.V. zu einem „Dank- und Abschiedsfest“ ein. Über 80 Personen sind der Einladung gefolgt, um noch einmal dem Haus mit seiner besonderen Atmosphäre die Ehre zu erweisen.

 

In der Einladung des Vorstandes kam es zur Sprache: „Im Vorstand waren wir der Meinung, dass wir das Haus nicht einfach leise schließen sollten. Wir waren der Meinung, dass das Haus 60 Jahre lang eine wichtige Aufgabe erfüllt hat. Die Schwestern, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben vielen Mitbrüdern und Gästen ein Stück Heimat geboten. Gerade ihr Einsatz sollte gewürdigt werden.“ Dies wurde auch durch das Programm noch einmal besonders deutlich. So sollte ein Bogen von der persönlichen Begrüßung bei Kaffee und Kuchen über den gemeinsamen Gottesdienst mit dem extra aus Erfurt angereisten Weihbischof Dr. Reinhard Hauke, der gleichzeitig der Beauftragte für die Vertriebenenseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz ist, mit dem von Küchenchef Heribert Meusel kreierten anschließenden festlichen Abendmenü und dem beschließenden Dank und Abschied. Frau Prof. Barbara Probst-Polasek hat mit der klugen Auswahl der Musikstücke und ihrem faszinierenden Spiel dem Abend einen besonderen Akzent gegeben.

 


In der bis auf den letzten Platz gefüllte Kapelle des Hauses St. Johann feierte Weihbischof Dr. Reinhard Hauke mit den Gästen die Eucharistie. In seiner Begrüßung konnte der Vorsitzende des Sudetendeutschen Priesterwerkes e.V., Monsignore Karl Wuchterl aus Edling, den Visitator für die Seelsorge an den Sudetendeutschen, Monsignore Dieter Olbrich aus München, sowie Monsignore Anton Otte aus Prag und das Vorstandsmitglied Pfarrer Josef Scheitler als Konzelebranten willkommen heißen. In seiner Predigt ging der Weihbischof auf das Haus und die gesamte Situation ein: „Der heutige Tag ist von Nachdenklichkeit geprägt. Sicherlich gibt es auch die Trauer über das Ende einer langen Geschichte dieses Hauses. „Haben wir etwas falsch gemacht?“ – könnte als Frage auch heute wieder auftauchen. Auch hier kann ich nur sagen: „Nein!“ Dieses sudetendeutsche Haus „St. Johann“  in Brannenburg war ein Ort des geistlichen, theologischen und kulturellen Austausches. Hier haben Seelsorger und Laien einen Ort der Besinnung und Erholung gefunden. Das hat allen gut getan. Kann da etwas falsch gewesen sein? Im Buch Kohelet finden wir das bekannte Weisheitswort: „Alles hat seine Stunde“ (Koh 3,1). Manchmal dürfen wir etwas Neues eröffnen und manchmal müssen wir auch etwas schließen, weil sich die Bedingungen so sehr verändert haben, dass ein Bleiben nicht mehr zu rechtfertigen ist. Die Situation in Brannenburg verlangte nach einer Entscheidung. Sie wurde gefällt.“ In diesem Zusammenhang stellte er besonders heraus: „Ganz mutig sage ich: Wenn die Verwaltung eines kirchlichen Gebäudes nicht mehr der Suche nach dem Gottesreich hilft, sondern zur Last wird, sollte man suchen, was an anderer Stelle mit neuen Ideen Wirklichkeit werden kann und wohinein die Kräfte gesteckt werden sollten, die sonst mit Verwaltung zu tun haben.“

 

Nach einem reichhaltigen und vorzüglichen Drei-Gänge-Menü im Speisesaal traf sich die versammelte Festgemeinde im Bischof-Neumann-Saal. Dort konnte der Vorsitzende des Priesterwerkes, Monsignore Karl Wuchterl, den Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe und Bundesvorsitzenden der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Bernd Posselt, begrüßen. Er war nach einer Sitzung in Berlin direkt vom Flughafen nach Brannenburg gekommen. In seinem Grußwort erinnerte er daran, dass verschiedene Gruppen der Landsmannschaft immer wieder im Haus St. Johann getagt hatten. Er berichtete von engagierten Diskussionen und von grundlegenden, wegweisenden Entscheidungen, die im Haus formuliert worden waren. Daneben wurde oft bis in den Morgen hinein gesungen.

Er war überzeugt, dass die sudetendeutschen Priester, die sich auch nach der Vertreibung für ihre Pfarrangehörigen verantwortlich wussten, einen entscheidenden Beitrag geleistet haben, das erfahrene Unrecht aus dem Glauben zu bewältigen, mutig neu anzufangen und sich so allmählich eine neue Heimat aufzubauen.

Den Einsatz der Priester innerhalb der Volksgruppe hält Herr Posselt nach wie vor für wichtig. Der Gottesdienst ist immer noch integraler Bestandteil örtlicher und überörtlicher Heimattreffen. Gerade die Priester, die selber Wurzeln im Sudetenland haben, können den Weg zur Versöhnung mit den tschechischen Nachbarn bereiten und begleiten.

 

Die Ackermann-Gemeinde e.V. war durch ihre stellvertretende Bundesvorsitzende, Dorothee Schroth, vertreten. In ihrem Grußwort sprach sie folgendes aus: „Abschied beinhaltet Wehmut, Trauer, aber auch Besinnung, Rückblick und Dank für  das Erlebte. Hier und heute wird  der Dank extra betont und das möchte ich gerade von Seiten der Ackermann-Gemeinde besonders hervorheben.

Dieses Haus, als Fortbildungs- und Tagungsstätte sowie Erholungshaus konzipiert, hat die Verzahnung von sudetendeutschem Priesterwerk und Ackermann-Gemeinde oft befördert.

So gab es in diesem Haus viele Tagungen des Kuratoriums „ Institutum Bohemicum“ der Ackermann-Gemeinde unter der Leitung von Dr. Nittner, wo als Gäste unter anderen oftmals die  Professoren Seibt und Prinz teilnahmen und mit ihren profunden historischen Kenntnissen viel zur Bereicherung der Tagungen beitrugen.

Viele Impulse sind von dieser Stätte ausgegangen.

Bereits auch in früheren Jahren durch Pater Paulus Sladek und Pater Josef  Jaksch.

 

 Viele Priester sind Mitglieder des Sudetendeutschen Priesterwerks und Mitglieder im Verband der Ackermann-Gemeinde. Dadurch hat sich über die Jahre immer eine fruchtbare Zusammenarbeit von Ackermann-Gemeinde und Sudetendeutschem Priesterwerk ergeben, stets zum Wohle und Nutzen beider Institutionen.“

 

Zu den weiteren Ehrengästen konnte der Repräsentant der Gemeinde Brannenburg, Bürgermeister Mathias Jokisch, und des Katholischen Dekanats, Dekan Pfarrer Helmut Kraus, begrüßt werden, die beide auf die besonderen Verdienste und Einflüsse des Hauses auf die politische und kirchliche Gemeinde hingewiesen haben.

 

Ein Schwerpunkt des Abends war auch die von Vorstandsmitglied Pfarrer Josef Scheitler aus Erfurt zusammengestellte und vorgetragene Präsentation zur Geschichte und dem Leben im Haus St. Johann. Er begann mit dem Erbauer des Hauses Maximilian Mintz und sein Leben hier in Brannenburg, er ging dann über in den Erwerb durch das Sudetendeutsche Priesterwerk mit der ersten Nutzung als Erholungsheim für Priester und Studenten der Theologie. Sehr prägend für das Haus und seiner Ausstrahlung war die Betreibung des Hauses durch die Kreuzschwestern von Eger. Die letzte Oberin, Schwester M. Dietlinda Meißner, war sogar im Alter von weit über 90 Jahren, noch einmal ins Haus gekommen, um sich insgesamt zu verabschieden. Auch gab Pfarrer Josef Scheitler einen historischen Bogen über die Geschichte des Sudetendeutschen Priesterwerkes anhand seiner bisherigen Vorsitzenden und deren besonderen Leistungen, gerade auch in Bezug auf das Haus St. Johann.

Daran hat sich dann gut angeschlossen und zur Abrundung des gesamten Abends beigetragen eine Gesprächsrunde – unter der Moderation von Matthias Dörr von der Ackermann-Gemeinde – zu den besonderen Erfahrungen im und mit dem Haus aus den verschiedensten Perspektiven. Vorstandsmitglied Pfarrer Josef Zwickl aus Hammelburg konnte von seinen Begegnungen im Haus schon aus der Zeit als Student berichten. Schwester Edith Breindl aus Brünn verlas den Bericht von der letzten Oberin des Hauses, Sr. M. Dietlinda Meißner. Ihre Erfahrungen im Haus mit den vielen Gästen, aber auch die Zeit der Sanierung Mitte der 80er Jahre stellte sie dabei besonders heraus. Schwester Theresita Wanitschek aus Neustadt kennt das Haus vom Sudetendeutschen Schwesternkongress, der dort des Öfteren stattgefunden hat. Die besondere Gastfreundschaft und Atmosphäre im Haus sind ihr immer wieder aufgefallen und hat deshalb – wie für viele andere Ordensschwestern auch – das Haus lieb gewonnen. Und zuletzt kam Pfarrer Markus Goller aus Fürth zu Wort, der die jüngere Generation von Priestern im Sudetendeutschen Priesterwerk vertritt. Durch die Veranstaltungen mit tschechischen Priestern im Haus St. Johann hat er das Priesterwerk kennen- und schätzen gelernt. Gerne hat er auch im Haus einen Teil seines Urlaubs mit Freunden verbracht, aber nicht nur das: er hat diese auch für einen Aufenthalt in Brannenburg geworben. Beim Gespräch wurde seine Begeisterung deutlich und ist auch auf das Publikum übergegangen.

 

Zum Schluss der Veranstaltung hieß es für den Vorsitzenden des Priesterwerkes Dank zu sagen. Natürlich dankte er allen Gästen für Ihr Kommen. Auch den einzelnen Rednern wurde mit einem Präsent für Ihre Worte gedankt. Für ihr besonderes Engagement für das Priesterwerk und das Haus dankte Wuchterl den Mitgliedern Pfarrer Erwin Lachnit aus dem Bistum Fulda und Pfarrer Josef Zwickl aus Hammelburg mit dem Ehrenzeichen – ein Bildnis des Hl. Nepomuk - des Vereins. Das Dank- und Ehrenzeichen des Priesterwerkes erhielt auch Herr Harald Jäger, der Geschäftsführer. Der Vorsitzende sagte ihm damit Dank für seinen unermüdlichen Einsatz. Er sagte: „Sie haben mich sehr beeindruckt, dass Sie gerade in den kritischen Monaten immer loyal zum Vorstand standen, obwohl es auch um ihren Arbeitsplatz ging.“ Auch wurden in diesem Zusammenhang den Mitgliedern Pfarrer Leo Seewald aus Bayreuth und Augustinerpater Jordan Fenzl aus Münnerstadt gedankt, die zu ihrer Zeit viel für das Haus erreicht haben.

 

Der Abend wurde dann offiziell mit dem Kanon „Herr, bleibe bei uns“ beendet. Gerne hat man sich noch in der Bibliothek zu einer gemütlichen Runde zusammengefunden und über die Erfahrungen der letzte sechs Jahrzehnte des Hauses sich ausgetauscht.

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